Senin, 08 Maret 2010

Edvard Grieg, Brief vom 29. Dezember 1883


Lieber, lieber Freund! Nein, ich muss doch ein paar Worte mit Dir Sprechen, bevor das alte Jahr zu Ende geht. Bedanken kann ich mich bei Dir nicht, ich kann nur sagen, dass ich es ohne Dich wohl nicht durchgestanden hätte, dass Du mein bester Freund bist und dass ich dich immer, solange mein Herz schlägt, ganz anders schätzen werde als alle anderen Menschen. Wie unglücklich ich bei meiner Abreise und am Anfang des Sommers war und wie viel weniger unglücklich jetzt - nein, das hätte ich nie für möglich gehalten! Glücklich! Das ist etwas anderes. Warum sollte ich das auch sein? Ganz glücklich bin ich nur über deine Freundschaft, denn du bist der einzige Mensch in derWelt, der mich nie im Stich gelassen hat. Durch meine Kunst müsste ich ganz glücklich sein, aber ich bin es nicht, weil ich nicht immer geradeaus gegangen bin und daher nicht das erreicht habe, wozu ich berufen war.... Ich öffne dir meine Arme, dem neuen Jahr, dem Frühling, dem neuen Frühling des Geistes und der Natur, der Freude, dem Frieden . ich könnte die ganze Menschheit aus Dankbarkeit über den leuchtenden Stern, der, trotz allem durch den Nebel hindurch über mein Dasein strahlt, umarmen.

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